Dienstag, 30. Dezember 2014

Über Neujahresvorsätze und Versprechen

Ich habe mein Leben lang im Außen gesucht, obwohl mich spirituelle Themen schon immer fasziniert haben. Nur es umsetzen, oder genug Nutzen daraus ziehen, konnte ich nicht.

Dagegen standen die ständigen Vergleiche (in allem), das Suchen der Ursachen für meine Unzufriedenheit in den Umständen, das ständige Warten auf äußere "Wenn..., dann...!"-Situationen, die aber auch nicht viel änderten. Immer dachte ich, ich bin falsch, ich bin faul, unfähig, maßlos, disziplinlos, nutzlos,... Ich müsste mich "nur" mehr anstrengen, mehr Mühe geben, mehr Druck, mehr Kontrolle, mehr Willen, mehr Disziplin, bessere Pläne,...
Dass das alles krankes Denken ist, darauf kam ich nie.

Jetzt weiß ich es besser: Der "Trick" ist nicht MEHR Kontrolle, sondern WENIGER! Ich muss lernen abzugeben! Ich darf mein Bestes geben und das ist gut genug. Das Ergebnis darf ich dem Schicksal übergeben, meiner höheren Macht.
Ich darf den Focus auf die Dinge lenken die mir gelingen, und nicht nur auf die die (noch) nicht gelingen.

Und ich darf mein Innerstes suchen, mein wahres Selbst. Und dafür darf ich einstehen, das darf ich verteidigen! Ich darf so sein wie ich bin! Und dazu stehen! Dafür bin ich liebenswert.

Ich glaube, dass die höhere Macht in allem steckt, also auch in mir. Es gibt verschiedene Anteile und Aspekte, und wenn ich mein wahres Selbst einmal finden sollte, gibt mir das auch sehr viel Kraft und Energie!
Gesunde Kraft!

Oberflächliche Versprechen und Vorsätze sind schwach und nutzlos, wenn sie sich nicht mit meinem wahren Selbst, mit meiner höheren Macht verbinden.

Und das geht nicht von heute auf morgen!
Es geht um Vertrauen, Vertrauen in meine höhere Macht, in mein wahres Inneres Selbst, ums Loslassen von alten Krücken und Verhaltensweisen, um das Finden und Gehen von neuen Wegen,...

Das alles braucht viel Zeit, Geduld und Ausdauer.
Daher funktionieren auch "spontane" Versprechen, Lippenbekenntnisse und Neujahresvorsätze so selten.

Das ist meine Meinung und Erfahrung bisher.

Ich wünsche uns allen gesunde Wege und Kraft im neuen Jahr!

Samstag, 20. Dezember 2014

Der Abschluss eines Kapitels

Wie in dem Kapitel "Nina" meiner Geschichte ausführlich beschrieben, hatte ich vor drei bis vier Jahren kurzfristig eine beste Freundin (ich nenne sie Nina) von der ich eine totale emotionale Abhängigkeit entwickelte.
Wir schrieben uns an die dreißig Mails täglich, schrieben uns ALLES und trafen uns sehr oft. Ich machte meinen Alkoholentzug heimlich an einem Wochenende bei ihr, sie stand mir bei allem bei und ich begleitete sie zu einer psychologischen Beratungsstelle (ich denke inzwischen, sie hat das Borderline-Syndrom) und lieh ihr eine Menge Geld.
Es war ein Geben und Nehmen, aber auch eine ungesunde Beziehung. Es war zu heftig, zu intensiv, zu viel und zu abhängig.
Ich ersetzte den Alkohol durch diese Beziehungs-Mail-Aufmerksamkeits-Sucht.

Dann würde es ihr aber zu viel, sie wollte nicht mehr in Therapie, sie leugnete ein Problem zu haben und beendete die Freundschaft abrupt weil ich "nicht locker ließ".
Das zog mir den Boden unter den Füßen weg! Ich hatte körperliche Schmerzen, konnte am Anfang nichts mehr essen und ich ließ mich in eine Magersuchtphase fallen. Außerdem bestrafte ich mich mit Selbstverurteilung und Selbstverletzungen.

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, ich bin im 12-Schritte Programm, habe neue, gesündere Beziehungen, habe mein Psychologiestudium angefangen und bin auf einem guten Weg der Genesung.

Aber: In dieser Woche wurde die letzte Rate meines Darlehns zurückbezahlt!
Ich schrieb ihr zum Abschluss heute, nach fast drei Jahren wieder eine Mail: zur Bestätigung wegen der Vertragserfüllung. Eine Minute später kam die Antwort: "Danke dir, Hochachtungsvoll, Nina"

Ich hatte wieder Kontakt! Und so blöd es sich anhört: es kamen alte Gefühle und Erinnerungen hoch!

Eigentlich sollte ich glücklich sein, dass dieses Kapitel endlich endgültig abgeschlossen ist, aber es wühlt mich im Moment sehr auf.

Dieses Wochenende bin ich im Kloster Bad Wimpfen beim OA-Inventurwochenende und fühle mich dadurch gut "aufgehoben".
Natürlich waren sofort die Gedanken da: "Nichts mehr essen!" "Es merkt keiner wenn du dieses Gefühlschaos auskotzt!" (Ich habe eine eigene Toilette auf meinem Zimmer!) "Im Gruppenraum steht ein Kühlschrank voll mit Bier und Wein! Es würde keiner mitbekommen ob, und wie viel du da rausholst!"

Bevor ich diese Gedanken weiterspinnen konnte oder ich genau wusste welche Gefühle da sonst noch hochkommen, bat ich einen Freund aus meinem OA-Stammmeeting, der auch mit mir hier ist, zu einem Gespräch und erzählte ihm die ganze Geschichte. Dadurch "kotzte" ich meine Gefühle vor ihm aus.

Das tat so gut und half mir alles wieder ins richtige Licht zu bringen, die Dinge die ich nicht ändern kann zu erkennen und die ungesunden Anteile wahrzunehmen.

Somit konnte ich Werkzeuge benutzen, und tue es noch. Reden und Schreiben hilft. Mir geht es inzwischen viel besser.

Und es macht mich Stolz, dass ich weder gehungert, erbrochen oder getrunken habe.

Und es war schön, dass sich der OA-Freund bei mir bedankt hat, weil ich mich ihm anvertraut habe.

Ich hoffe, die "Werkzeuge der Genesung" weiterhin nutzen zu können.

Dienstag, 25. November 2014

Schluss mit den Vergleichen

Bei mir hat Annahme und Akzeptanz viel damit zu tun das ständige Vergleichen aufzugeben.

Wenn ich nicht mehr sein möchte wie andere, um besser, schöner, erfolgreicher oder beliebter zu sein, als ich es möglicherweise bin, fällt es mir leichter mich so zu akzeptieren wie ich bin.

Außerdem sind die Vergleiche meist ungerecht mir selbst gegenüber.

Zum Beispiel habe ich im letzten Semester ein Teilzeitstudium angefangen. In der Prüfung zum Semesterende schrieb ich eine 3,0. Ich war glücklich und froh bestanden zu haben, bis ich erfuhr, dass ein Bekannter eine 1,7 geschafft hatte. Schon war meine 3 nichts mehr wert, ich konnte meine Leistung nicht mehr als Erfolg annehmen.
Dabei ist mein Bekannter 26 Jahre alt, ohne Kinder und war noch nie richtig aus dem Lernen draußen, da er kurz vorher ein anderes Studium beendet hatte…
Ich bin 38, habe zwei kleinere Kinder, Haushalt und quasi zwei Jobs und habe längere Zeit nichts mehr lernen müssen…

Also sind die Situationen und Menschen nicht vergleichbar! Und somit auch nicht die Note, oder der Erfolg!

Die Menschen sind eben unterschiedlich und das ist doch auch gut so. Also kann ich alle Vergleiche bleiben lassen und mich so annehmen und akzeptieren wie ich bin!

Nur dann fallen mir auch meine Stärken auf!
Und wenn ich meine Schwächen UND Stärken kenne, fällt es mir viel leichter sie anzunehmen und sie werden auch in mir stabiler, trotz des Verhaltens anderer.

Ich kann dadurch auch andere und deren Verhalten besser annehmen und akzeptieren, kann sie stehen lassen wie sie sind, deren Verhalten von meinem Abgrenzen und bleibe stabiler in meinem Selbstbild.

Ich muss nicht mehr jeden kleinsten Makel oder Fehler an mir versuchen zu korrigieren, denn auch da gilt für mich der Inhalt des Gelassenheitsspruches: Was ich nicht (oder nur sehr schwer) ändern kann, kann ich annehmen und akzeptieren, und was ich ändern kann, an dem kann ich arbeiten, ohne die Geduld und die Selbstachtung zu verlieren.

Ich muss auch akzeptieren, dass Veränderungen Zeit brauchen und ich muss akzeptieren, dass ich weder alles an mir, noch andere im Allgemeinen, ändern kann. Das hat auch viel mit Verantwortlichkeiten zu tun: Ich bin nur für mein Verhalten verantwortlich. Nicht für den Inhalt der Köpfe, noch das Verhalten anderer.
 
Ich bin Ich und ich bin anders, das darf ich sein und das ist gut so!

Donnerstag, 18. September 2014

Der Stimmungsbarometer Waage

Meine Waage war und ist immer ein Stimmungsbarometer. Habe ich zugenommen fühlte ich mich schlecht und unfähig, bestätigt in dem Denken undiszipliniert und phlegmatisch zu sein.
Wog ich weniger, fühlte ich mich "leichter", freute mich, hatte Hoffnung auf ein "besseres" Leben, in dem ich stark, kontrolliert und aktiv bin. Quasi außen und innen schön und perfekt!

Es ist Wahnsinn, wie viel Macht ich diesem blöden Ding gebe!!!

Als ich übergewichtig war, wog ich mich selten, denn diese Zahl machte mich traurig. Es war wie eine Bestätigung, dass ich mein Leben nicht im Griff hatte.
Ich ließ mich allgemein gehen, achtete wenig auf mein Äußeres und wartete quasi auf bessere Zeiten, bessere Umstände, mehr Antrieb,...
Ab und zu versuchte ich eine Diät, brach aber meist bald frustriert ab.

Nach dem ich vor drei Jahren den Alkohol stehen ließ, rutschte ich in eine magersüchtige Phase. Ich aß fast nichts mehr, nahm in kurzer Zeit viel ab und war wie in einem Rausch. Die Waage war mein bester Freund! Jeden morgen musste ich meinen Erfolg sehen!!!
Dann bekam ich gerade noch die Kurve und konnte das Abnehmen stoppen, bevor ich ins Untergewicht rutschte.
Seit dem versuche ich das Gewicht in engen Grenzen zu halten, obwohl ich insgeheim den Wunsch habe einmal unter die nächste Zehnergrenze zu kommen. Aber dieser Wunsch wird kleiner, das merke ich.

Da ich immer die Menschen beneide, die sich gar nicht wiegen und trotzdem wohl fühlen, war der Wunsch bei mir da auch von diesen Zahlen wegzukommen. Aber da ich diesen täglichen Zwang mich zu Wiegen verspürte, um mich selbst zu kontrollieren, weil ich meinem Gefühl nicht traute, dachte ich nicht, dass ich auch auf die Waage verzichten könnte.
Immer wieder versuchte ich einige Tage, wenige Wochen,... Am Ende siegte die Neugier.

Als ich in meiner Genesung fortschritt, wurde auch der Wiegezwang kleiner. Es begann diesmal mit dem Vorhaben, mich einen Monat nicht zu Wiegen. Einen Tag vor Ablauf dieses Monats merkte ich, dass ich Angst vor dem Wiegen hatte. Mir war bewusst, dass nichts gutes dabei herauskommen kann! Entweder bekomme ich Angst und Panik, wenn ich über meiner persönlichen "Grenze" bin, oder ich bin enttäuscht, wenn es gleich ist, oder es spornt mich im negativen Sinn an, falls es weniger ist... Also beschloss ich, mich noch einen Monat nicht zu Wiegen.

Mittlerweile bin ich im dritten Monat ohne Waage.
Manchmal habe ich das Gefühl ich halte es ohne die Kontrolle durch die Waage nicht länger aus, dann gibt es wieder Tage in denen fühle ich mich unglaublich frei!

Ich fühle mich manchmal sehr dick, dann wieder ganz wohl,... Das kann täglich schwanken und kann somit nichts mit dem tatsächlichen Körpergewicht zu tun haben.

An Tagen wo es mir schwer fällt, an denen ich das Gefühl habe die Kontrolle und die Bestätigung der Waage zu brauchen, vertröste ich mich auf Ende des Monats.
"Einmal im Monat wiegen ist genug", sage ich mir dann und hoffe insgeheim, dass ich es zum nächsten Monatswechsel wieder um einen Monat verschiebe...

Ich habe mich schon lange nicht mehr so frei gefühlt wie zur Zeit!
Auch die Abstinenz beim Essen fällt mir seit dem viel leichter!!!!

Dienstag, 1. Juli 2014

Für HEUTE 1.7.

Aus dem "Für Heute" Buch von Overeaters Anonymous (OA):

1.7.
Wenn ein stolzer Mann hört, wie ein anderer gelobt wird, fühlt er sich selbst beleidigt.
Englisches Sprichwort

Abstinenz ist wie das Hochziehen eines Fensterrollos: Sie gibt mir die Sicht auf meine wirklichen Probleme frei. Ich sehe ein eigensinniges Kind, das das erste, das beste, das beachtet und gelobt sein will. Wenn ich ein gutes Wort über jemand anderen höre, überkommt es mich noch immer, dass ich schreien will: "Und ich?" Ich fühle mich so ungeliebt, dass ich alles brauche.

Jetzt will ich Schritte tun, um mich meinem Stolz, dieser Schwäche, zu stellen und ihn als Anreiz zum Wachsen zu nehmen. Dann kann ich mich - unbelastet von meinem Konkurrenzdenken - an den Vorzügen und Stärken eines anderen Menschen mitfreuen.

Für heute: Ich vergleiche mich mit niemand; vielmehr schätze ich jeden von uns für das was er ist. Das ist die wahre Harmonie in der Welt.

*****

Ich finde das Für Heute gerade so total passend: Gestern im OA Meeting wurde uns allen klar, dass wir in vielen, hauptsächlich emotionalen, Bereichen entwicklungsverzögert und somit auf dem Stand eines Kindes sind. Mit kindischem Verhalten, kindischem Denken, kindischer Reaktionen, kindischer Wut, kindischem Trotz, kindischen Motiven,...
Die Emotionen sind oft entweder gar nicht da (komplett unterdrückt, bzw. verdrängt) oder es sind zu viele, zu extrem, zu ungefiltert, zu übertrieben, zu unrational, zu subjektiv, zu aggressiv,...

Dann kommt dieses Für Heute und zeigt mir, dass es tatsächlich ein weit verbreitetes Problem zu sein scheint. Es macht mir viel Mut und zeigt mir einen weiteren Grund auf, warum es sich lohnt abstinent zu bleiben und für ein "normales" Essverhalten zu kämpfen (was mir mein Suchthirn ja immer Ausreden will!)

Außerdem lese ich heute morgen über die Entwicklungspsychologie: dass Entwicklung im weiteren Sinn auch Veränderung und Anpassung bedeutet und somit nicht nur in der Kindheit sondern das ganze Leben lang stattfindet. Es ist also nie "zu spät" sich zu entwickeln!!! Ich habe somit nichts unwiderruflich versäumt oder verpasst!

Ich wünsche uns allen viel Mut zur Veränderung am heutigen Tag.

Sonntag, 29. Juni 2014

Das 6. Versprechen

Ich bin ein großer Fan der 12 Versprechen des 12-Schritte-Programms der Anonymen Alkoholiker.

Im 6. Monat des Jahres schreibe ich meine Gedanken und Erfahrungen zum 6. Versprechen:


"Das Gefühl der Nutzlosigkeit und des Selbstmitleids wird verschwinden."

Manchmal schwimme ich so sehr im Selbstmitleid, dass ich drohe darin unterzugehen. Alles ist unfair, ungerecht, schwer, anstrengend, mühsam, sinnlos,...
Ich fühle mich unfähig daran etwas zu ändern, ja, manchmal auch tatsächlich nutzlos, als hätte meine Existenz keinen Nutzen für irgendwen, am wenigsten für mich!

Wenn ich diese Gedanken und Gefühle zulasse, nähren sie sich gegenseitig, die Gedanken werden zu Gefühlen, die wiederum beeinflussen die Gedanken und ich habe das Gefühl in einem Abwärtsstrudel zu sitzen und machtlos dem negativen "Chaos" ausgeliefert zu sein.

Aber das stimmt nicht. Oder nicht mehr.
Ich weiß inzwischen, dass ich nicht machtlos in diesem Strudel sitze. Ich muss nicht jeden negativen Gedanken "nähren" und "pflegen". Manchmal kann ich auch bewusst dagegen steuern. Meine Gedanken kann ich beeinflussen. Ich kann mich dazu entscheiden den negativen Gedanken keinen Raum zu geben wenn sie kommen und Positives dagegen setzen. Die negativen Gefühle kommen oft erst später, wenn ich sie zulasse.

Früher dachte ich, wenn ich mich genug selbst bemitleide, bekomme ich auch von anderen (Familienangehörigen) Mitleid, Mitgefühl, Aufmerksamkeit,... Aber das stimmt so nicht, und der Preis ist außerdem viel zu hoch.

Ich bin selbst oft genug für meine negativen Gefühle verantwortlich und für mein Selbstmitleid. Es ist meine Entscheidung, wann ich die Verantwortung für meine Gedanken übernehme, und mich dazu entscheide mich nicht länger im Selbstmitleid zu "suhlen", weil es mich nicht weiterbringt.

Dann wird auch das Gefühl der Nutzlosigkeit und Sinnlosigkeit verschwinden.
Ganz langsam, jedes Mal ein Stück mehr.

Ich habe inzwischen gelernt, dass mir mein Selbstmitleid nicht hilft, also gebe ich es ab, manchmal ganz bewusst und seither kommt es auch nicht mehr so oft.

Das Versprechen erfüllt sich (wenn wir etwas dafür tun und es geschehen lassen).

Dienstag, 17. Juni 2014

Träume und Ziele

In den letzten Monaten habe ich mir oft überlegt ob ich Träume und Ziele für meine Genesung brauche, oder ob sie eher hinderlich sind.

Früher hatte ich viele Träume: Luftschlösser, Bilder von meinem "perfekten" und unrealistischen Leben. Ich träumte davon Psychologie zu studieren, auszuwandern, sieben Kinder zu haben, einen perfekten, romantischen und liebevollen Ehemann dazu, der mich in allem unterstützt, ich war in meinem Traum bei allen Menschen beliebt und würde beneidet, hatte keine Probleme, hatte die perfekten und erfolgreichen Superkinder, ich war superschlank, topmodisch,...

Ich glaube, ich muss nicht genauer ausführen, warum diese Träume bisher immer hinderlich waren für ein zufriedenes Leben in der Realität.

Als ich mir in den letzten Monaten nach einem Meeting, wo diese Frage aufgeworfen wurde, den Unterschied überlegt habe, fiel mir auf, dass ich keine richtigen Ziele in meinem Leben hatte. Ziele sind für mich etwas greifbares, etwas überprüfbares. Es kann natürlich auch realistische Träume geben, aber in der Natur der Sache liegt, dass Träume öfter Träume bleiben (was nicht grundsätzlich schlimm ist).

Ziele sind für mich erreichbarer, und realistischer und motivierender je feiner Teilziele definiert werden.

Inzwischen habe ich die meisten dieser Träume aufgegeben: ich werde im gleichen deutschen Bundesland bleiben, weil es mir hier gefällt, ich habe mich mit meinen "nur" zwei Kindern abgefunden (denn ich kann auch fremde Kinder "ausleihen" und betreuen), ich habe akzeptiert, dass mein Mann immer unromantisch bleiben wird, meine Kinder sind natürlich Superkinder (einfach weil sie tolle Individuen sind, und super sind wie sie sind, fast egal was sie machen), ich akzeptiere, nicht bei allen beliebt zu sein, oder beneidet, oder einen "perfekten" Körper zu haben, ich gehöre nicht überall dazu und will das auch gar nicht mehr. Und ich werde, wie jeder Mensch auf der Welt, egal wie er sich präsentiert, immer wieder irgendwelche Probleme haben, sie aber auch irgendwie lösen!

Den "einzigen" großen Traum, den ich mir jetzt erfülle (es mir überhaupt erst jetzt getraue), ist das Psychologiestudium. Ich habe damit mit 38 angefangen, und bis ich mich Psychologin nennen darf, wenn ich überhaupt so weit komme, bin ich min. 48!
Aber egal, ich tue es für mich, es macht mir unglaublich viel Spaß, es gibt mir eine tolle Aufgabe, und auch kleinere Teilziele, wie das Bearbeiten eines bestimmten Kapitels in einer bestimmten Zeit oder das Bestehen der ersten Klausur zu den Einführungskursen,...

Also können Träume und Ziele auch hilfreich sein für meine Genesung. Sie können meinem Leben eine Aufgabe geben, eine Struktur und eine Richtung. Und vor allem können sie motivierend sein. Und der Grad der Motivierung hängt davon ab, wie realistisch und wie genau definiert diese Ziele und Träume sind.

Dann stehen sie auch nicht im Widerspruch zu dem "im HEUTE leben". Ich kann auch "im HEUTE" meinen kleinen Teil dazu beitragen meinen Zielen und Träumen näher zu kommen!!!

Mittwoch, 23. April 2014

Schokolade

"Nur die Krankheit will mir einflüstern, dass Gift ein Genuss ist."
Habe ich heute gelesen. Und es passt nicht nur auf den Alkohol, der ja tatsächlich, bio-chemisch oder medizinisch gesehen, ein Nervengift ist!
Es passt auch auf Schokolade und Industrienahrung ohne besonderen Nährwert, nur viel viel Zucker, zuviel Fett und Salz.

Ich habe nun auch vor Schokolade kapituliert! Ich habe es versucht, immer wieder, zuletzt über Ostern, es geht nicht! Ich kann nicht damit umgehen, es "kontrolliert" und "genussvoll" essen. Also lasse ich es! Ich esse keine Schokolade mehr! Ich kapituliere!
Und jetzt, nachdem diese Entscheidung getroffen ist, spüre ich Erleichterung!
Wieder ein "Kampf" der beendet ist!!!!!!!

Sonntag, 20. April 2014

Ostern

Heute morgen im Gottesdienst wurde mir wieder klar gemacht was die Botschaft von Ostern ist. Und ich konnte sie wunderbar für mich übertragen und fühlte Frieden tief im Inneren.

Ostern ist der Sieg des Lebens über Zerstörung. Das Licht siegt über die Dunkelheit. Es gibt Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. Es gibt Vertrauen. Vertrauen, dass Gott meine Sünden vergibt und von mir nimmt. Dass er mich liebt und annimmt wie ich bin, nicht perfekt, und mit allen Dingen die ich getan habe.
Ich darf neu anfangen, das Leben siegt auch über meine eigene Selbstzerstörung. Ich darf Loslassen und die Kontrolle meines Lebens Gott überlasen. Ich brauche mich nicht mehr abmühen, Dinge, Menschen und Tatsachen zu kontrollieren und zu "verbessern" die sich von mir ohnehin nicht ändern lassen.
Ich darf Vertrauen, dass die Zeiten des Krieges vorbei sind.
Das Osterlicht leuchtet in mir und schenkt mir Frieden.

Diesen Frieden darf ich annehmen. Jeden Tag von neuem.

Und in Zeiten der Dunkelheit, wenn die Depressionen und das Selbstmitleid zurückkommen, zünde ich eine Kerze an und erinnere mich wieder an das Osterlicht und an den Frieden der in dem Vertrauen steckt.

Ich wünsche uns allen Frieden und ein kräftiges, helles und andauerndes Osterlicht.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Ballast im Leben erkennen

Ich habe mir viel vorgenommen für das Jahr 2014: es ist mein erstes abstinentes Jahr, ich möchte meine Wohnung komplett ausmisten, noch mehr in meinen Jobs arbeiten (bin selbstständig), mehr mit Kinder und Familie machen, unsere Ehe weiterentwickeln, mehr auf mich achten, meinen Haushalt besser strukturieren, und im April ein Bachelorstudium beginnen!
Rein theoretisch scheint das nicht möglich zu sein!

Es muss etwas auf der Strecke bleiben! Also was tun?
Prioritäten setzen? Es auf mich zukommen lassen?
Möchte ich zu viel auf einmal?

Diese Woche habe ich gehört, man sollte im ersten abstinenten Jahr keine zu großen Veränderungen durchführen. Da ich im ersten Jahr bin (habe bis Silvester oft zwanghaft gegessen und fast täglich erbrochen und hatte letztes Jahr mehrere Rückfälle wegen Alkohol), überlege ich mir natürlich was damit gemeint ist.

Natürlich möchte ich auch das wichtige vom unwichtigen trennen, merken was mich belastet, um das dann loszuwerden und loszulassen.
Aber einerseits merke ich dass das Loslassen gar nicht so leicht ist und aber auch dass nicht alles was mich belastet auch zwangsläufig entsorgt werden sollte!

Zum Beispiel belastet mich vieles in unserer Ehe. Mein Mann hat Probleme damit meine Schwierigkeiten nachzuvollziehen, er ist sehr introvertiert, spricht wenig bis gar nichts über Gefühle, geht wenig auf die Bedürfnisse von anderen ein, aber verlangt die Berücksichtigung von seinen Bedürfnissen nach Ordnung, Ruhe und ständiger oberflächlicher Harmonie. Was mit zwei kleinen Mädchen echt unmöglich ist.
Oft habe ich das Gefühl ich komme dabei zu kurz, werde nicht gesehen und wenig wahrgenommen mit meinen Bedürfnissen. Versuche zu oft es nur den anderen recht zu machen.

Ich habe gelernt, dass ich andere nicht ändern kann, nur mich selbst. Also muss ich mich trennen? Ist meine Ehe der Ballast der gemeint ist, da sie mich belastet?

Es wäre aber eine zu große Änderung im ersten Jahr! Beim Ballast enttarnen und loswerden geht es wohl erst um kleinere Dinge! Sonst ist es ein Davonlaufen und Aufgeben aus Ungeduld!!!

Gott gebe mir die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden!

Was ist Ballast den ich loswerden sollte und wofür lohnt es sich Energie und Arbeit zu stecken um es zu ändern?

Ich dachte die Unterscheidung wäre leichter und mir fehlt es nur an Mut Loszulassen! Aber da habe ich mich getäuscht!

Ich fühle mich ziemlich machtlos! Sogar ziellos!
Ich muss wieder zurückfinden zu den "kleinen Schritten"!
Vielleicht sollte ich mich nur erst einmal auf die Wohnung konzentrieren und Schublade für Schublade, Blatt für Blatt, Tag für Tag, mit einem "kleinen Löffel anfangen meinen Berg abzutragen" und den Rest auf mich zukommen lassen...

Freitag, 3. Januar 2014

Der erste Schritt

Zitat aus den 12 Schritten der AA und OA:
Schritt eins: "Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol/Essen gegenüber machtlos sind und unser Leben nicht mehr meistern konnten."

Im ersten Schritt des 12 Schritte-Programms von AA oder OA geht es, meiner Meinung nach, nicht "nur" um die Machtlosigkeit und somit der Kapitulation gegenüber dem Essen und/oder dem Alkohol. Es geht in erster Linie um das Aufgeben des Versuchs Kontrolle zu haben! Viele mögen denken, das kommt doch auf das Gleiche heraus. Mag sein. Aber für mich macht es diese Unterscheidung der Formulierung verständlicher worum es geht!

Ich habe keine Kontrolle! Und meine ständigen Versuche und mein immer wiederkehrender Glaube und Wunsch die Kontrolle zu haben, oder zurückzubekommen, lassen mich so lange im Kreis drehen!

Beim Alkohol ist die Sache ziemlich übersichtlich: kontrolliertes Trinken ist (zumindest auf längere Sicht) unmöglich, also muss ich meinen Wunsch danach aufgeben. Auch wenn manche, wie ich, das erst noch einmal persönlich überprüfen mussten ;-)

Kontrolle beim Essen ist so viel komplizierter, weshalb ich dafür ungleich länger brauche es zu verstehen.
Deshalb ist die intensive Arbeit an Schritt 1 und der Untersuchung des eigenen Essverhaltens für mich absolut notwendig.

Das Erbrechen nach dem Essen gibt mir ein Trugbild der Kontrolle! Ich rede mir selbst ein auf diese Weise die Kontrolle über mich zurückzubekommen! Indem ich meinen vorherigen Kontrollverlust "wieder gut mache" habe ich die Kontrolle über mich, über mein Essen und mein Gewicht zurück!!! Dass das aber ein sehr zwanghaftes, ungesundes, unbefriedigendes, süchtiges und dauerhaft deprimierendes Verhalten ist, verdränge ich gern! Vor allem hat es NICHTS mit Kontrolle zu tun!!!

Noch schwieriger ist für mich das Thema Kontrolle bei meinem magersüchtigen Anteil! Nicht, oder wenig essen, zu hungern und abzunehmen, steht für mich gefühlt immer noch eng im Zusammenhang mit Kontrolle.
Ich darf aber eigentlich nicht weiter abnehmen (ich war bis vor 2,5 Jahren viele Jahre übergewichtig), ich bin jetzt wieder genau auf dem Gewicht was meine Hausärztin als unteres Limit definiert hat!
Und trotzdem möchte ich weiter abnehmen! Möchte das gute Gefühl von Macht und Kontrolle haben! Mir selbst "beweisen" dass ich so viel Kontrolle über mich habe, dass ich sogar unter die nächste Zehnerzahl komme!

Von Verstand her weiß ich, dass das nichts mit Kontrolle zu tun hat, sondern mit zwanghaftem Verhalten! Ich bin nicht frei, lasse mir von kranken Zielen meine Lebensfreude nehmen! Im Gegenteil: ich glaube sogar dadurch mehr Lebensfreude zu haben!!!
Ich rede mir nur ein, mehr Kontrolle in meinem Leben zu besitzen, wenn ICH mein Essen kontrolliere. Dabei werde ich von meiner Krankheit kontrolliert! Und trotzdem ist es mir im Moment noch nicht möglich dieses Gefühl aufzugeben!

Ich kann nicht einfach (wie beim Alkohol das kontrollierte Trinken) das "kontrollierte Essen" aufgeben und nichts mehr essen. Aber ich kann lernen meine "Scheinkontrolle" über mein Essen aufzugeben, die Kontrolle abzugeben, das Essen nicht mehr zu missbrauchen und wirklich GESUNDES Essverhalten zu lernen.
Und dazu ist es nötig mein Essverhalten zu durchleuchten, um meine Suchtlebensmittel und meine kritischen Esssituationen herauszufinden, damit ich diesen künftig, entweder aus dem Weg gehen, oder ein alternatives Verhalten finden und lernen kann. Das ist ein Prozess und kann nicht von heute auf morgen durch meinen alleinigen Willen verwirklicht werden!


Ich darf, will, muss, brauche und habe nicht überall die Kontrolle!!!!