Zum Beispiel wollte ich meinen Körper erst pflegen und
schöne Sachen anziehen und Schmuck tragen, wenn ich einen Körper hatte für den
es sich auch „lohnt“. Also wenn ich abgenommen habe und mein Idealgewicht und
die Idealfigur hatte.
Oder, anderes Beispiel: Ich möchte meine Wohnung erst
dekorieren und „schön“ einrichten wenn ich alles erst mal „richtig“ aufgeräumt,
und so richtige Ordnung in allem geschaffen habe…
Und die uralte Ausrede: „Morgen dann, morgen mach ich das dann richtig!“ „Heute lohnt es sich nicht mehr so richtig anzufangen, weil ich ja ohnehin nicht fertig werde und es nicht „perfekt“ hinbekomme!“
Oft sehe ich auch nur einfach die riesigen Berge, die
zwischen meinem jetzigen und einem Leben stehen, so wie ich es mir vorstelle.
Und diese Berge lähmen mich. Wenn ich heute keinen Berg aus dem Weg räumen
kann, warum lohnt es sich dann anzufangen? Komme ich überhaupt über diese
Berge? Habe ich überhaupt eine Chance? Und womit soll ich nur anfangen?
Auch das „ich sollte…“ und „ich müsste…“ und „wenn erstmal…, dann…“. All das sind Satzhülsen, die mich lähmen, die mir ein schlechtes Gewissen machen, die mir mein Versagen vorhalten.
Genauso wichtig wie eine To Do-Liste (fein aufgedröselt in erreichbare Kleinziele) ist eine Ich Darf- oder eine Ich Möchte-Liste. Und diese Sachen kann ich als Ausgleich einsetzen, oder als Belohnung in Aussicht stellen um mich durch Motivationstiefs zu bringen.
Was mir auch hilft sind feste Strukturen und der Satz „Machen, nicht Rummachen!“. Denn oft kann ich nicht anfangen, weil ich anfange nachzudenken, ob ich jetzt überhaupt Lust dazu habe, wieso, weshalb, warum ich das genau jetzt machen sollte oder könnte, und ob ich nicht lieber xy zuerst machen sollte,… Das bedeutet, unheimlich oft stehe ich mir selbst im Weg. Ich betreibe Selbstsabotage und merke es nicht einmal, sondern schiebe die Schuld mal wieder auf die Umstände.
Abends bin ich dann oft so frustriert, weil ich mal wieder „nichts“ gemachte habe, denn halbe oder angefangene Sachen zählen ja nichts, dass ich gegen diese Unzufriedenheit, das schlechte Gewissen und die innere Anspannung, die sich durch meine Ansprüche an mich selbst aufbaut, anfange zu essen oder, früher, zu Trinken. Daher sind bei mir die Abende auch schon immer am schwierigsten gewesen. Da wird die Unzufriedenheit des Tages deutlich und ich nehme mir wieder vor, jeden Abend von neuem, es am nächsten Tag endlich „besser“ und „perfekter“ zu machen.
Aus diesem Teufelskreis möchte ich ausbrechen:
Mit Strukturplänen, mit Erlaubnissen gegen mein schlechtes
Gewissen, mit „ich möchte“, „ich kann/könnte“ und „ich darf“, mit dem Streichen
von dem Wort „sollte“, mit dem bewussten Gehen von kleinen Schritten, mit dem
Wahrnehmen von kleinen Dingen, mit kleineren realistischeren Ansprüchen, indem
ich eine Sache nach der anderen angehe und nicht mehr alles gleichzeitig, indem
ich alles in viel kleinere Einheiten aufteile, die leichter zu erreichen sind,
indem ich versuche bei mir und meinen Wünschen zu bleiben und mich weniger mit
anderen vergleiche, indem ich versuche die Kontrolle über alles loszulassen und
„nur“ meinen Teil erledige und den Rest mit dem Ergebnis abgebe, indem ich
Dinge die ich nicht ändern kann und andere Menschen toleriere und annehme wie
sie sind, ohne dass ich versuche sie zu beeinflussen, zu manipulieren oder mich
über sie ärgere und indem ich meine Stärken wahrnehme und mich über sie freue.
Alles im Vertrauen und mit Hilfe meiner höheren Macht, die es gut mit mir meint
und besser weiß als ich wie die Welt funktioniert.
Ich weiß, dass diese Veränderungen nicht über Nacht und auf
Befehl kommen können, aber ich merke, wie sich meine Einstellungen langsam
wandeln.