Sonntag, 29. Juni 2014

Das 6. Versprechen

Ich bin ein großer Fan der 12 Versprechen des 12-Schritte-Programms der Anonymen Alkoholiker.

Im 6. Monat des Jahres schreibe ich meine Gedanken und Erfahrungen zum 6. Versprechen:


"Das Gefühl der Nutzlosigkeit und des Selbstmitleids wird verschwinden."

Manchmal schwimme ich so sehr im Selbstmitleid, dass ich drohe darin unterzugehen. Alles ist unfair, ungerecht, schwer, anstrengend, mühsam, sinnlos,...
Ich fühle mich unfähig daran etwas zu ändern, ja, manchmal auch tatsächlich nutzlos, als hätte meine Existenz keinen Nutzen für irgendwen, am wenigsten für mich!

Wenn ich diese Gedanken und Gefühle zulasse, nähren sie sich gegenseitig, die Gedanken werden zu Gefühlen, die wiederum beeinflussen die Gedanken und ich habe das Gefühl in einem Abwärtsstrudel zu sitzen und machtlos dem negativen "Chaos" ausgeliefert zu sein.

Aber das stimmt nicht. Oder nicht mehr.
Ich weiß inzwischen, dass ich nicht machtlos in diesem Strudel sitze. Ich muss nicht jeden negativen Gedanken "nähren" und "pflegen". Manchmal kann ich auch bewusst dagegen steuern. Meine Gedanken kann ich beeinflussen. Ich kann mich dazu entscheiden den negativen Gedanken keinen Raum zu geben wenn sie kommen und Positives dagegen setzen. Die negativen Gefühle kommen oft erst später, wenn ich sie zulasse.

Früher dachte ich, wenn ich mich genug selbst bemitleide, bekomme ich auch von anderen (Familienangehörigen) Mitleid, Mitgefühl, Aufmerksamkeit,... Aber das stimmt so nicht, und der Preis ist außerdem viel zu hoch.

Ich bin selbst oft genug für meine negativen Gefühle verantwortlich und für mein Selbstmitleid. Es ist meine Entscheidung, wann ich die Verantwortung für meine Gedanken übernehme, und mich dazu entscheide mich nicht länger im Selbstmitleid zu "suhlen", weil es mich nicht weiterbringt.

Dann wird auch das Gefühl der Nutzlosigkeit und Sinnlosigkeit verschwinden.
Ganz langsam, jedes Mal ein Stück mehr.

Ich habe inzwischen gelernt, dass mir mein Selbstmitleid nicht hilft, also gebe ich es ab, manchmal ganz bewusst und seither kommt es auch nicht mehr so oft.

Das Versprechen erfüllt sich (wenn wir etwas dafür tun und es geschehen lassen).

Dienstag, 17. Juni 2014

Träume und Ziele

In den letzten Monaten habe ich mir oft überlegt ob ich Träume und Ziele für meine Genesung brauche, oder ob sie eher hinderlich sind.

Früher hatte ich viele Träume: Luftschlösser, Bilder von meinem "perfekten" und unrealistischen Leben. Ich träumte davon Psychologie zu studieren, auszuwandern, sieben Kinder zu haben, einen perfekten, romantischen und liebevollen Ehemann dazu, der mich in allem unterstützt, ich war in meinem Traum bei allen Menschen beliebt und würde beneidet, hatte keine Probleme, hatte die perfekten und erfolgreichen Superkinder, ich war superschlank, topmodisch,...

Ich glaube, ich muss nicht genauer ausführen, warum diese Träume bisher immer hinderlich waren für ein zufriedenes Leben in der Realität.

Als ich mir in den letzten Monaten nach einem Meeting, wo diese Frage aufgeworfen wurde, den Unterschied überlegt habe, fiel mir auf, dass ich keine richtigen Ziele in meinem Leben hatte. Ziele sind für mich etwas greifbares, etwas überprüfbares. Es kann natürlich auch realistische Träume geben, aber in der Natur der Sache liegt, dass Träume öfter Träume bleiben (was nicht grundsätzlich schlimm ist).

Ziele sind für mich erreichbarer, und realistischer und motivierender je feiner Teilziele definiert werden.

Inzwischen habe ich die meisten dieser Träume aufgegeben: ich werde im gleichen deutschen Bundesland bleiben, weil es mir hier gefällt, ich habe mich mit meinen "nur" zwei Kindern abgefunden (denn ich kann auch fremde Kinder "ausleihen" und betreuen), ich habe akzeptiert, dass mein Mann immer unromantisch bleiben wird, meine Kinder sind natürlich Superkinder (einfach weil sie tolle Individuen sind, und super sind wie sie sind, fast egal was sie machen), ich akzeptiere, nicht bei allen beliebt zu sein, oder beneidet, oder einen "perfekten" Körper zu haben, ich gehöre nicht überall dazu und will das auch gar nicht mehr. Und ich werde, wie jeder Mensch auf der Welt, egal wie er sich präsentiert, immer wieder irgendwelche Probleme haben, sie aber auch irgendwie lösen!

Den "einzigen" großen Traum, den ich mir jetzt erfülle (es mir überhaupt erst jetzt getraue), ist das Psychologiestudium. Ich habe damit mit 38 angefangen, und bis ich mich Psychologin nennen darf, wenn ich überhaupt so weit komme, bin ich min. 48!
Aber egal, ich tue es für mich, es macht mir unglaublich viel Spaß, es gibt mir eine tolle Aufgabe, und auch kleinere Teilziele, wie das Bearbeiten eines bestimmten Kapitels in einer bestimmten Zeit oder das Bestehen der ersten Klausur zu den Einführungskursen,...

Also können Träume und Ziele auch hilfreich sein für meine Genesung. Sie können meinem Leben eine Aufgabe geben, eine Struktur und eine Richtung. Und vor allem können sie motivierend sein. Und der Grad der Motivierung hängt davon ab, wie realistisch und wie genau definiert diese Ziele und Träume sind.

Dann stehen sie auch nicht im Widerspruch zu dem "im HEUTE leben". Ich kann auch "im HEUTE" meinen kleinen Teil dazu beitragen meinen Zielen und Träumen näher zu kommen!!!