Dienstag, 30. Dezember 2014

Über Neujahresvorsätze und Versprechen

Ich habe mein Leben lang im Außen gesucht, obwohl mich spirituelle Themen schon immer fasziniert haben. Nur es umsetzen, oder genug Nutzen daraus ziehen, konnte ich nicht.

Dagegen standen die ständigen Vergleiche (in allem), das Suchen der Ursachen für meine Unzufriedenheit in den Umständen, das ständige Warten auf äußere "Wenn..., dann...!"-Situationen, die aber auch nicht viel änderten. Immer dachte ich, ich bin falsch, ich bin faul, unfähig, maßlos, disziplinlos, nutzlos,... Ich müsste mich "nur" mehr anstrengen, mehr Mühe geben, mehr Druck, mehr Kontrolle, mehr Willen, mehr Disziplin, bessere Pläne,...
Dass das alles krankes Denken ist, darauf kam ich nie.

Jetzt weiß ich es besser: Der "Trick" ist nicht MEHR Kontrolle, sondern WENIGER! Ich muss lernen abzugeben! Ich darf mein Bestes geben und das ist gut genug. Das Ergebnis darf ich dem Schicksal übergeben, meiner höheren Macht.
Ich darf den Focus auf die Dinge lenken die mir gelingen, und nicht nur auf die die (noch) nicht gelingen.

Und ich darf mein Innerstes suchen, mein wahres Selbst. Und dafür darf ich einstehen, das darf ich verteidigen! Ich darf so sein wie ich bin! Und dazu stehen! Dafür bin ich liebenswert.

Ich glaube, dass die höhere Macht in allem steckt, also auch in mir. Es gibt verschiedene Anteile und Aspekte, und wenn ich mein wahres Selbst einmal finden sollte, gibt mir das auch sehr viel Kraft und Energie!
Gesunde Kraft!

Oberflächliche Versprechen und Vorsätze sind schwach und nutzlos, wenn sie sich nicht mit meinem wahren Selbst, mit meiner höheren Macht verbinden.

Und das geht nicht von heute auf morgen!
Es geht um Vertrauen, Vertrauen in meine höhere Macht, in mein wahres Inneres Selbst, ums Loslassen von alten Krücken und Verhaltensweisen, um das Finden und Gehen von neuen Wegen,...

Das alles braucht viel Zeit, Geduld und Ausdauer.
Daher funktionieren auch "spontane" Versprechen, Lippenbekenntnisse und Neujahresvorsätze so selten.

Das ist meine Meinung und Erfahrung bisher.

Ich wünsche uns allen gesunde Wege und Kraft im neuen Jahr!

Samstag, 20. Dezember 2014

Der Abschluss eines Kapitels

Wie in dem Kapitel "Nina" meiner Geschichte ausführlich beschrieben, hatte ich vor drei bis vier Jahren kurzfristig eine beste Freundin (ich nenne sie Nina) von der ich eine totale emotionale Abhängigkeit entwickelte.
Wir schrieben uns an die dreißig Mails täglich, schrieben uns ALLES und trafen uns sehr oft. Ich machte meinen Alkoholentzug heimlich an einem Wochenende bei ihr, sie stand mir bei allem bei und ich begleitete sie zu einer psychologischen Beratungsstelle (ich denke inzwischen, sie hat das Borderline-Syndrom) und lieh ihr eine Menge Geld.
Es war ein Geben und Nehmen, aber auch eine ungesunde Beziehung. Es war zu heftig, zu intensiv, zu viel und zu abhängig.
Ich ersetzte den Alkohol durch diese Beziehungs-Mail-Aufmerksamkeits-Sucht.

Dann würde es ihr aber zu viel, sie wollte nicht mehr in Therapie, sie leugnete ein Problem zu haben und beendete die Freundschaft abrupt weil ich "nicht locker ließ".
Das zog mir den Boden unter den Füßen weg! Ich hatte körperliche Schmerzen, konnte am Anfang nichts mehr essen und ich ließ mich in eine Magersuchtphase fallen. Außerdem bestrafte ich mich mit Selbstverurteilung und Selbstverletzungen.

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, ich bin im 12-Schritte Programm, habe neue, gesündere Beziehungen, habe mein Psychologiestudium angefangen und bin auf einem guten Weg der Genesung.

Aber: In dieser Woche wurde die letzte Rate meines Darlehns zurückbezahlt!
Ich schrieb ihr zum Abschluss heute, nach fast drei Jahren wieder eine Mail: zur Bestätigung wegen der Vertragserfüllung. Eine Minute später kam die Antwort: "Danke dir, Hochachtungsvoll, Nina"

Ich hatte wieder Kontakt! Und so blöd es sich anhört: es kamen alte Gefühle und Erinnerungen hoch!

Eigentlich sollte ich glücklich sein, dass dieses Kapitel endlich endgültig abgeschlossen ist, aber es wühlt mich im Moment sehr auf.

Dieses Wochenende bin ich im Kloster Bad Wimpfen beim OA-Inventurwochenende und fühle mich dadurch gut "aufgehoben".
Natürlich waren sofort die Gedanken da: "Nichts mehr essen!" "Es merkt keiner wenn du dieses Gefühlschaos auskotzt!" (Ich habe eine eigene Toilette auf meinem Zimmer!) "Im Gruppenraum steht ein Kühlschrank voll mit Bier und Wein! Es würde keiner mitbekommen ob, und wie viel du da rausholst!"

Bevor ich diese Gedanken weiterspinnen konnte oder ich genau wusste welche Gefühle da sonst noch hochkommen, bat ich einen Freund aus meinem OA-Stammmeeting, der auch mit mir hier ist, zu einem Gespräch und erzählte ihm die ganze Geschichte. Dadurch "kotzte" ich meine Gefühle vor ihm aus.

Das tat so gut und half mir alles wieder ins richtige Licht zu bringen, die Dinge die ich nicht ändern kann zu erkennen und die ungesunden Anteile wahrzunehmen.

Somit konnte ich Werkzeuge benutzen, und tue es noch. Reden und Schreiben hilft. Mir geht es inzwischen viel besser.

Und es macht mich Stolz, dass ich weder gehungert, erbrochen oder getrunken habe.

Und es war schön, dass sich der OA-Freund bei mir bedankt hat, weil ich mich ihm anvertraut habe.

Ich hoffe, die "Werkzeuge der Genesung" weiterhin nutzen zu können.