Sonntag, 19. April 2015

Prioritäten

Im Moment fühle ich mich gnadenlos überfordert und nicht in der Lage Prioritäten zu setzen: fang ich mit dem einen an kommen andere Sachen zu kurz! Und ich habe das Gefühl, je mehr ich tue, je mehr Arbeit kommt zum Vorschein!!!

Ich soll in 12 Tagen 120 Seiten in biologischer Psychologie bearbeiten, brauche aber pro Seite fast eine Stunde; eigentlich hätte ich gestern das erste Zimmer für unser Schlaf-Kinderzimmer-Projekt leer haben sollen, hat auch nicht geklappt (da kommen zB auch immer mehr Dinge zum Vorschein, die Arbeit machen); unsere Wohnung sieht auch aus, da müsste dringend mal wieder gründlich aufgeräumt und geputzt werden; außerdem habe ich das Gefühl ich vernachlässige die Kinder und meinen Mann; und es gibt noch gefühlte 1000 andere Dinge, die ich erledigen "sollte"!!!

Und was mache ich um damit umzugehen? Ich esse und nehme zu!!!

Aber ich sehe jetzt mal das positive, wie ich das gelernt habe: es ist meine Prüfung, ich höre jetzt auf zu jammern, und erledige eins nach dem anderen, EGAL in welcher Reihenfolge! Ich wechsle einfach ab!!!

Was sage ich meinen Kindern immer? "Vom Rumjammern wird auch nichts besser oder anders!"

Donnerstag, 2. April 2015

Vertrauen

Ich habe große Probleme zu vertrauen.
Mir selbst und Gott am allermeisten, musste ich feststellen! Obwohl ich früher immer das Gegenteil gedacht hatte!

Ich habe Angst. Angst vor dem Unbekannten, vor der Zukunft, vor meinem Versagen, vor meinen Fehlern,... Das bedeutet ich vertraue nicht! Ich vertraue nicht darauf, dass es das Leben und Gott grundsätzlich gut mit mir meint, dass ich Fehler machen darf und trotzdem noch wertvoll bin, dass Gott mich auf den richtigen Weg führt und ich dem vertrauensvoll folgen kann...
Nein, ich meine, ich müsse versuchen alles zu kontrollieren, habe Schwierigkeiten zu kapitulieren und loszulassen, weil das Vertrauen fehlt.

Aber auch mir selbst vertraue ich nicht. Viel zu schnell lasse ich mich durch das Verhalten anderer verunsichern, schwanke in meinen Entscheidungen und in meiner Meinung, suche Fehler, Schuld und Ursache bei mir, habe immer Angst falsch zu liegen,...
Weil ich meiner Intuition nicht traue. Ich vertraue meinem Bauchgefühl nicht.

Das alles macht mich sehr traurig und ich würde es gerne ändern. Loslassen, Gott überlassen, meine Intuition wahrnehmen und darauf hören, mir selbst und meiner Zukunft vertrauen...

Aber das Vertrauen kann ich nicht erzwingen, es muss sich entwickeln. Das erste ist die Bitte um die Bereitschaft und die ist da.
Langsam ändert und wächst das Vertrauen in Gott, die Welt und in mich.

Dienstag, 13. Januar 2015

Zum Aufschiebezwang

Ich verbrachte viele Jahre meines Lebens in Wartestellung. Ich wartete, bis ich mit meinen Gefühlen besser umgehen konnte, bis meine Depressionen von allein besser wurden, bis die äußeren Umstände endlich so waren damit ich zufrieden und glücklich sein könnte, bis dann endlich mein Leben richtig anfangen kann…

 Daher habe ich mein ganzes Leben lang viele Dinge aufgeschoben. Nicht nur Dinge worauf ich keine Lust hatte, oder vor denen ich Angst hatte, sondern auch schöne Dinge.

Zum Beispiel wollte ich meinen Körper erst pflegen und schöne Sachen anziehen und Schmuck tragen, wenn ich einen Körper hatte für den es sich auch „lohnt“. Also wenn ich abgenommen habe und mein Idealgewicht und die Idealfigur hatte.

Oder, anderes Beispiel: Ich möchte meine Wohnung erst dekorieren und „schön“ einrichten wenn ich alles erst mal „richtig“ aufgeräumt, und so richtige Ordnung in allem geschaffen habe…
 
Und die uralte Ausrede: „Morgen dann, morgen mach ich das dann richtig!“ „Heute lohnt es sich nicht mehr so richtig anzufangen, weil ich ja ohnehin nicht fertig werde und es nicht „perfekt“ hinbekomme!“

Oft sehe ich auch nur einfach die riesigen Berge, die zwischen meinem jetzigen und einem Leben stehen, so wie ich es mir vorstelle. Und diese Berge lähmen mich. Wenn ich heute keinen Berg aus dem Weg räumen kann, warum lohnt es sich dann anzufangen? Komme ich überhaupt über diese Berge? Habe ich überhaupt eine Chance? Und womit soll ich nur anfangen?

 Oft ist es diese Unentschlossenheit, diese Entscheidungsschwierigkeit womit ich anfangen soll, die mich nicht weiterkommen lässt. Beziehungsweise meine Unfähigkeit diese Entscheidung zu treffen. Ich mache dann oft viele Dinge gleichzeitig, aber keins richtig, sondern nur oberflächlich, was mir wiederrum das Gefühl gibt, eigentlich gar nichts getan zu haben.

Auch das „ich sollte…“ und „ich müsste…“ und „wenn erstmal…, dann…“. All das sind Satzhülsen, die mich lähmen, die mir ein schlechtes Gewissen machen, die mir mein Versagen vorhalten.

 Ich komme erst langsam dahinter was es wirklich bedeutet, diese zu ersetzen durch „ich könnte…“ oder „heute möchte ich…“ oder „ich darf…“. Ich gebe und mache das was ich heute kann und den Rest, inklusive dem Ergebnis darf ich abgeben. Ich darf Pausen machen und die ohne schlechtes Gewissen und Gedanken wie, „eigentlich sollte ich noch…“, genießen.
 
Genauso wichtig wie eine To Do-Liste (fein aufgedröselt in erreichbare Kleinziele) ist eine Ich Darf- oder eine Ich Möchte-Liste. Und diese Sachen kann ich als Ausgleich einsetzen, oder als Belohnung in Aussicht stellen um mich durch Motivationstiefs zu bringen.

Was mir auch hilft sind feste Strukturen und der Satz „Machen, nicht Rummachen!“. Denn oft kann ich nicht anfangen, weil ich anfange nachzudenken, ob ich jetzt überhaupt Lust dazu habe, wieso, weshalb, warum ich das genau jetzt machen sollte oder könnte, und ob ich nicht lieber xy zuerst machen sollte,… Das bedeutet, unheimlich oft stehe ich mir selbst im Weg. Ich betreibe Selbstsabotage und merke es nicht einmal, sondern schiebe die Schuld mal wieder auf die Umstände.

Abends bin ich dann oft so frustriert, weil ich mal wieder „nichts“ gemachte habe, denn halbe oder angefangene Sachen zählen ja nichts, dass ich gegen diese Unzufriedenheit, das schlechte Gewissen und die innere Anspannung, die sich durch meine Ansprüche an mich selbst aufbaut, anfange zu essen oder, früher, zu Trinken. Daher sind bei mir die Abende auch schon immer am schwierigsten gewesen. Da wird die Unzufriedenheit des Tages deutlich und ich nehme mir wieder vor, jeden Abend von neuem, es am nächsten Tag endlich „besser“ und „perfekter“ zu machen.
 
Aus diesem Teufelskreis möchte ich ausbrechen:

Mit Strukturplänen, mit Erlaubnissen gegen mein schlechtes Gewissen, mit „ich möchte“, „ich kann/könnte“ und „ich darf“, mit dem Streichen von dem Wort „sollte“, mit dem bewussten Gehen von kleinen Schritten, mit dem Wahrnehmen von kleinen Dingen, mit kleineren realistischeren Ansprüchen, indem ich eine Sache nach der anderen angehe und nicht mehr alles gleichzeitig, indem ich alles in viel kleinere Einheiten aufteile, die leichter zu erreichen sind, indem ich versuche bei mir und meinen Wünschen zu bleiben und mich weniger mit anderen vergleiche, indem ich versuche die Kontrolle über alles loszulassen und „nur“ meinen Teil erledige und den Rest mit dem Ergebnis abgebe, indem ich Dinge die ich nicht ändern kann und andere Menschen toleriere und annehme wie sie sind, ohne dass ich versuche sie zu beeinflussen, zu manipulieren oder mich über sie ärgere und indem ich meine Stärken wahrnehme und mich über sie freue. Alles im Vertrauen und mit Hilfe meiner höheren Macht, die es gut mit mir meint und besser weiß als ich wie die Welt funktioniert.
 
Ich weiß, dass diese Veränderungen nicht über Nacht und auf Befehl kommen können, aber ich merke, wie sich meine Einstellungen langsam wandeln.

Dienstag, 30. Dezember 2014

Über Neujahresvorsätze und Versprechen

Ich habe mein Leben lang im Außen gesucht, obwohl mich spirituelle Themen schon immer fasziniert haben. Nur es umsetzen, oder genug Nutzen daraus ziehen, konnte ich nicht.

Dagegen standen die ständigen Vergleiche (in allem), das Suchen der Ursachen für meine Unzufriedenheit in den Umständen, das ständige Warten auf äußere "Wenn..., dann...!"-Situationen, die aber auch nicht viel änderten. Immer dachte ich, ich bin falsch, ich bin faul, unfähig, maßlos, disziplinlos, nutzlos,... Ich müsste mich "nur" mehr anstrengen, mehr Mühe geben, mehr Druck, mehr Kontrolle, mehr Willen, mehr Disziplin, bessere Pläne,...
Dass das alles krankes Denken ist, darauf kam ich nie.

Jetzt weiß ich es besser: Der "Trick" ist nicht MEHR Kontrolle, sondern WENIGER! Ich muss lernen abzugeben! Ich darf mein Bestes geben und das ist gut genug. Das Ergebnis darf ich dem Schicksal übergeben, meiner höheren Macht.
Ich darf den Focus auf die Dinge lenken die mir gelingen, und nicht nur auf die die (noch) nicht gelingen.

Und ich darf mein Innerstes suchen, mein wahres Selbst. Und dafür darf ich einstehen, das darf ich verteidigen! Ich darf so sein wie ich bin! Und dazu stehen! Dafür bin ich liebenswert.

Ich glaube, dass die höhere Macht in allem steckt, also auch in mir. Es gibt verschiedene Anteile und Aspekte, und wenn ich mein wahres Selbst einmal finden sollte, gibt mir das auch sehr viel Kraft und Energie!
Gesunde Kraft!

Oberflächliche Versprechen und Vorsätze sind schwach und nutzlos, wenn sie sich nicht mit meinem wahren Selbst, mit meiner höheren Macht verbinden.

Und das geht nicht von heute auf morgen!
Es geht um Vertrauen, Vertrauen in meine höhere Macht, in mein wahres Inneres Selbst, ums Loslassen von alten Krücken und Verhaltensweisen, um das Finden und Gehen von neuen Wegen,...

Das alles braucht viel Zeit, Geduld und Ausdauer.
Daher funktionieren auch "spontane" Versprechen, Lippenbekenntnisse und Neujahresvorsätze so selten.

Das ist meine Meinung und Erfahrung bisher.

Ich wünsche uns allen gesunde Wege und Kraft im neuen Jahr!

Samstag, 20. Dezember 2014

Der Abschluss eines Kapitels

Wie in dem Kapitel "Nina" meiner Geschichte ausführlich beschrieben, hatte ich vor drei bis vier Jahren kurzfristig eine beste Freundin (ich nenne sie Nina) von der ich eine totale emotionale Abhängigkeit entwickelte.
Wir schrieben uns an die dreißig Mails täglich, schrieben uns ALLES und trafen uns sehr oft. Ich machte meinen Alkoholentzug heimlich an einem Wochenende bei ihr, sie stand mir bei allem bei und ich begleitete sie zu einer psychologischen Beratungsstelle (ich denke inzwischen, sie hat das Borderline-Syndrom) und lieh ihr eine Menge Geld.
Es war ein Geben und Nehmen, aber auch eine ungesunde Beziehung. Es war zu heftig, zu intensiv, zu viel und zu abhängig.
Ich ersetzte den Alkohol durch diese Beziehungs-Mail-Aufmerksamkeits-Sucht.

Dann würde es ihr aber zu viel, sie wollte nicht mehr in Therapie, sie leugnete ein Problem zu haben und beendete die Freundschaft abrupt weil ich "nicht locker ließ".
Das zog mir den Boden unter den Füßen weg! Ich hatte körperliche Schmerzen, konnte am Anfang nichts mehr essen und ich ließ mich in eine Magersuchtphase fallen. Außerdem bestrafte ich mich mit Selbstverurteilung und Selbstverletzungen.

Mittlerweile sind drei Jahre vergangen, ich bin im 12-Schritte Programm, habe neue, gesündere Beziehungen, habe mein Psychologiestudium angefangen und bin auf einem guten Weg der Genesung.

Aber: In dieser Woche wurde die letzte Rate meines Darlehns zurückbezahlt!
Ich schrieb ihr zum Abschluss heute, nach fast drei Jahren wieder eine Mail: zur Bestätigung wegen der Vertragserfüllung. Eine Minute später kam die Antwort: "Danke dir, Hochachtungsvoll, Nina"

Ich hatte wieder Kontakt! Und so blöd es sich anhört: es kamen alte Gefühle und Erinnerungen hoch!

Eigentlich sollte ich glücklich sein, dass dieses Kapitel endlich endgültig abgeschlossen ist, aber es wühlt mich im Moment sehr auf.

Dieses Wochenende bin ich im Kloster Bad Wimpfen beim OA-Inventurwochenende und fühle mich dadurch gut "aufgehoben".
Natürlich waren sofort die Gedanken da: "Nichts mehr essen!" "Es merkt keiner wenn du dieses Gefühlschaos auskotzt!" (Ich habe eine eigene Toilette auf meinem Zimmer!) "Im Gruppenraum steht ein Kühlschrank voll mit Bier und Wein! Es würde keiner mitbekommen ob, und wie viel du da rausholst!"

Bevor ich diese Gedanken weiterspinnen konnte oder ich genau wusste welche Gefühle da sonst noch hochkommen, bat ich einen Freund aus meinem OA-Stammmeeting, der auch mit mir hier ist, zu einem Gespräch und erzählte ihm die ganze Geschichte. Dadurch "kotzte" ich meine Gefühle vor ihm aus.

Das tat so gut und half mir alles wieder ins richtige Licht zu bringen, die Dinge die ich nicht ändern kann zu erkennen und die ungesunden Anteile wahrzunehmen.

Somit konnte ich Werkzeuge benutzen, und tue es noch. Reden und Schreiben hilft. Mir geht es inzwischen viel besser.

Und es macht mich Stolz, dass ich weder gehungert, erbrochen oder getrunken habe.

Und es war schön, dass sich der OA-Freund bei mir bedankt hat, weil ich mich ihm anvertraut habe.

Ich hoffe, die "Werkzeuge der Genesung" weiterhin nutzen zu können.

Dienstag, 25. November 2014

Schluss mit den Vergleichen

Bei mir hat Annahme und Akzeptanz viel damit zu tun das ständige Vergleichen aufzugeben.

Wenn ich nicht mehr sein möchte wie andere, um besser, schöner, erfolgreicher oder beliebter zu sein, als ich es möglicherweise bin, fällt es mir leichter mich so zu akzeptieren wie ich bin.

Außerdem sind die Vergleiche meist ungerecht mir selbst gegenüber.

Zum Beispiel habe ich im letzten Semester ein Teilzeitstudium angefangen. In der Prüfung zum Semesterende schrieb ich eine 3,0. Ich war glücklich und froh bestanden zu haben, bis ich erfuhr, dass ein Bekannter eine 1,7 geschafft hatte. Schon war meine 3 nichts mehr wert, ich konnte meine Leistung nicht mehr als Erfolg annehmen.
Dabei ist mein Bekannter 26 Jahre alt, ohne Kinder und war noch nie richtig aus dem Lernen draußen, da er kurz vorher ein anderes Studium beendet hatte…
Ich bin 38, habe zwei kleinere Kinder, Haushalt und quasi zwei Jobs und habe längere Zeit nichts mehr lernen müssen…

Also sind die Situationen und Menschen nicht vergleichbar! Und somit auch nicht die Note, oder der Erfolg!

Die Menschen sind eben unterschiedlich und das ist doch auch gut so. Also kann ich alle Vergleiche bleiben lassen und mich so annehmen und akzeptieren wie ich bin!

Nur dann fallen mir auch meine Stärken auf!
Und wenn ich meine Schwächen UND Stärken kenne, fällt es mir viel leichter sie anzunehmen und sie werden auch in mir stabiler, trotz des Verhaltens anderer.

Ich kann dadurch auch andere und deren Verhalten besser annehmen und akzeptieren, kann sie stehen lassen wie sie sind, deren Verhalten von meinem Abgrenzen und bleibe stabiler in meinem Selbstbild.

Ich muss nicht mehr jeden kleinsten Makel oder Fehler an mir versuchen zu korrigieren, denn auch da gilt für mich der Inhalt des Gelassenheitsspruches: Was ich nicht (oder nur sehr schwer) ändern kann, kann ich annehmen und akzeptieren, und was ich ändern kann, an dem kann ich arbeiten, ohne die Geduld und die Selbstachtung zu verlieren.

Ich muss auch akzeptieren, dass Veränderungen Zeit brauchen und ich muss akzeptieren, dass ich weder alles an mir, noch andere im Allgemeinen, ändern kann. Das hat auch viel mit Verantwortlichkeiten zu tun: Ich bin nur für mein Verhalten verantwortlich. Nicht für den Inhalt der Köpfe, noch das Verhalten anderer.
 
Ich bin Ich und ich bin anders, das darf ich sein und das ist gut so!

Donnerstag, 18. September 2014

Der Stimmungsbarometer Waage

Meine Waage war und ist immer ein Stimmungsbarometer. Habe ich zugenommen fühlte ich mich schlecht und unfähig, bestätigt in dem Denken undiszipliniert und phlegmatisch zu sein.
Wog ich weniger, fühlte ich mich "leichter", freute mich, hatte Hoffnung auf ein "besseres" Leben, in dem ich stark, kontrolliert und aktiv bin. Quasi außen und innen schön und perfekt!

Es ist Wahnsinn, wie viel Macht ich diesem blöden Ding gebe!!!

Als ich übergewichtig war, wog ich mich selten, denn diese Zahl machte mich traurig. Es war wie eine Bestätigung, dass ich mein Leben nicht im Griff hatte.
Ich ließ mich allgemein gehen, achtete wenig auf mein Äußeres und wartete quasi auf bessere Zeiten, bessere Umstände, mehr Antrieb,...
Ab und zu versuchte ich eine Diät, brach aber meist bald frustriert ab.

Nach dem ich vor drei Jahren den Alkohol stehen ließ, rutschte ich in eine magersüchtige Phase. Ich aß fast nichts mehr, nahm in kurzer Zeit viel ab und war wie in einem Rausch. Die Waage war mein bester Freund! Jeden morgen musste ich meinen Erfolg sehen!!!
Dann bekam ich gerade noch die Kurve und konnte das Abnehmen stoppen, bevor ich ins Untergewicht rutschte.
Seit dem versuche ich das Gewicht in engen Grenzen zu halten, obwohl ich insgeheim den Wunsch habe einmal unter die nächste Zehnergrenze zu kommen. Aber dieser Wunsch wird kleiner, das merke ich.

Da ich immer die Menschen beneide, die sich gar nicht wiegen und trotzdem wohl fühlen, war der Wunsch bei mir da auch von diesen Zahlen wegzukommen. Aber da ich diesen täglichen Zwang mich zu Wiegen verspürte, um mich selbst zu kontrollieren, weil ich meinem Gefühl nicht traute, dachte ich nicht, dass ich auch auf die Waage verzichten könnte.
Immer wieder versuchte ich einige Tage, wenige Wochen,... Am Ende siegte die Neugier.

Als ich in meiner Genesung fortschritt, wurde auch der Wiegezwang kleiner. Es begann diesmal mit dem Vorhaben, mich einen Monat nicht zu Wiegen. Einen Tag vor Ablauf dieses Monats merkte ich, dass ich Angst vor dem Wiegen hatte. Mir war bewusst, dass nichts gutes dabei herauskommen kann! Entweder bekomme ich Angst und Panik, wenn ich über meiner persönlichen "Grenze" bin, oder ich bin enttäuscht, wenn es gleich ist, oder es spornt mich im negativen Sinn an, falls es weniger ist... Also beschloss ich, mich noch einen Monat nicht zu Wiegen.

Mittlerweile bin ich im dritten Monat ohne Waage.
Manchmal habe ich das Gefühl ich halte es ohne die Kontrolle durch die Waage nicht länger aus, dann gibt es wieder Tage in denen fühle ich mich unglaublich frei!

Ich fühle mich manchmal sehr dick, dann wieder ganz wohl,... Das kann täglich schwanken und kann somit nichts mit dem tatsächlichen Körpergewicht zu tun haben.

An Tagen wo es mir schwer fällt, an denen ich das Gefühl habe die Kontrolle und die Bestätigung der Waage zu brauchen, vertröste ich mich auf Ende des Monats.
"Einmal im Monat wiegen ist genug", sage ich mir dann und hoffe insgeheim, dass ich es zum nächsten Monatswechsel wieder um einen Monat verschiebe...

Ich habe mich schon lange nicht mehr so frei gefühlt wie zur Zeit!
Auch die Abstinenz beim Essen fällt mir seit dem viel leichter!!!!